Unter Bäumen

Premiere 29.4.2022 I Neue Hausproduktion I 90min I 10+

Einer nagt Rinde am Stamm eines Baumes, einer Frau wächst Gras in  der Tasche und hinter ihren Ohren.

Wieder ein anderer steckt freiwillig in einem Schlammloch fest, derweil ein Mann seinen Coach sucht, eine Verzweifelte ihren Hund.

Einem nisten Vögel im Bart und eine andere mutiert zum Wildschwein. Und während dem einen bereits Kastanientriebe und Wurzeln aus dem Körper spriessen,
dass selbst der Gärtner machtlos ist, empört sich eine andere lauthals über all das Treiben und wirre Tun draussen, da draussen!
Und wenn sie irgendwann genug haben von der eigenen Natur, “alles zu seiner Ruh geht, und Wald und Welt versausen - sehnen sie sich recht nach Hause”*, doch das Haus, das hat kein Dach. * aus “Abendlich schon rauscht der Wald” von Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Was wäre, wenn der ewigen Spannung zwischen Natur und Kultur, Mensch und Umwelt, System und Verwilderung, ein neues Ganzes folgt? Die Figuren auf der Bühne begegnen auf der Suche nach ihrer Gemeinsamkeit mit Flora und Fauna nicht nur Bäumen und anderen Verwandten, sondern auch der eigenen Natur. Fünf Schauspieler:innen begeben sich zusammen mit dem Autor Jens Nielsen unter Bäume und fragen sich, wer sie sind, was sie vom mythenumwobenen Wald lernen können und ob Bäume die besseren Menschen sind?

“Das Stück vom Autor Jens Nielsen und Regisseur Matthias Grupp zeigt wunderbar überspitzt und lustig was Natur dem Menschen bedeutet. Heute, wo alles online stattfindet. So stolpern die fünf Büromenschen in der Inszenierung durch den Wald, auf der Suche nach dem Handynetz. In solchen Szenen zeigen sich die absurden Abhängigkeiten von unserem digitalen Lebensstil und wie weit sich der Mensch von der Natur entfernt hat.” (Fabienne Nägeli, SRF Regionaljournal Basel Baselland)


“Es sind denn auch tolle Leute auf der Bühne, die im schrägen Spiel aufgehen, allen voran Michael Wolf als alternativ-inspirierter Wichtigtuer und Vivianne Mösli als rastlose Neurotikerin. Gemeinsam mit den drei anderen irren Gestalten verlassen sie die vertraute Grossstadt und machen sich auf, den Wald zu entdecken.” (Mélanie Honegger, BZ)

“Unter Bäumen ist ein verdichteter Text, der Ausflüge in die Fantasie unternimmt und Figuren zeigt, die aus dem Staunen über sich und die sie umgebende Welt nicht mehr herauskommen. (...) Worauf soll man sich einigen? Dass den Menschen die Natur abhanden kommt oder dass die Natur auf den Menschen pfeift? Die Inszenierung von Matthias Grupp hat ihre stärksten Momente da, wo sie dem Text vertraut und ihn nicht illustriert. Wenn etwa die Angestellten, durch den Wald strauchelnd das Internet suchen, werden jene Abhängigkeiten sichtbar die das digitale Dasein mit sich bringt. Da wird auch die Sehnsucht greifbar nach etwas, was Sinn macht und Gemeinschaft stiftet.”  (Kaa Linder, SRF Kultur kompakt)

Unsere Theatersaison 2022 widmen wir den Themen Natur und Biodiversität. Die Premiere von unter Bäumen ist der Startschuss für eine Reihe Veranstaltungen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Im Herbst folgt die Hausproduktion «Expedition ins Tierreich» und weitere ergänzende Programmpunkte folgen.

Besetzung

Spiel: David Speiser, Dominique Müller, Gina Durler, Michael Wolf, Vivianne Mösli
Text: Jens Nielsen
Regie: Matthias Grupp
Musik: Martin Gantenbein
Choreographie: Bea Nichele-Wiggli
Bühnenbild: Fabian Nichele
Kostümbild: Benjamin Burgunder
Technik: Christian Foskett, Lukas Hohl, Kim Kästli
Dramaturgie und Produktionsleitung: Ronja Rinderknecht
Regieassistenz: Sangita Singh

Text I zum Stück von Jens Nielsen

Ich habe keine Angst im Wald
Ich habe keine Angst vor Füchsen
Ich habe keine Angst vor Wölfen
Ich habe keine Angst vor Luchsen
Lachsen   

Menschenaffen
Fleischfressenden Pflanzen
Kröten
Vor den Wald-Flamingos habe ich keine Angst
Ich habe keine Angst vor Engerlingen
Schlangen
Keine Angst vor Eulen

Nicht einmal vor Mäusen habe ich Angst

Vor Mäusen
Lächerlich 
Und überhaupt gar keine Angst hab ich vor Waldkaninchen
Ausser wenn sie sieben Meter gross sind
Dann
Vor sieben Meter grossen Waldkaninchen habe ich 
Zugegeben
(Angst)
(Ein wenig
Ziemlich wenig
Keine fast)

Autor der Gedichte: Jens Nielsen

Unterstützung

Mit freundlicher Unterstützung des Präsidialdepartements des Kantons Basel-Stadt Abteilung Kultur,

der Jürg George Bürki-Stiftung, des Leimenthaler Kulturpools, der Forlen Stiftung und der Schweizerischen Interpretenstiftung.

Herzlichen Dank!

 


 

Pressematerial

Die Credits für die Grafiken liegen bei Hauser, Schwarz. Die Credits für die Fotografien liegen bei Xenia Zezzi.

Maria Bauer und Barbro Hartmann freuen sich über Ihre Presseanfragen, gerne per Mail

an bauer@vorstadttheaterbasel.ch. 

 

Text II zum Stück von Jens Nielsen

Kastanien

B        Habe ich von Kastanien schon gesprochen
           Dass sie einem auf den Kopf fallen im Herbst
           Wenn man morgens unterwegs zur Arbeit ist
           Und sie eine Wunde machen an der Fontanelle
A         Die sich eventuell entzündet
B         Und nach weiteren Kastanien
A         Vor allem wenn man stehen bleibt
B         Und weiteren Entzündungen
            Ein Loch im Kopf sich bildet
            Sodass die Kastanien durch das Loch
            In den Kopf hineinfallen und keimen
A         Wurzeln schlagen im Gehirn
B         Die den Hals hinunterwachsen
           In den Bauch und in die Beine
           Durch die Fußsohlen hinaus und in den Boden
           Man möchte nun doch weitergehen
           Aber damit ist jetzt Schluss
           Anfangs könnte man sich noch verpflanzen lassen
           Ins Büro oder nach Hause
           Und man bittet einen Gärtner der vorbeikommt
           Aber er sagt Nein es ist zu spät
A         Eine Weile später reißt der ganze Körper auf
            Auch das Gesicht wird auf die Oberfläche des
            Kastanienbaums gespannt
            Es wird zu Rinde
            Man verholzt

Mai 22

10. Di, 10h30 14. Sa, 20h 15. So, 20h 18. Mi, 10h30 18. Mi, 20h 19. Do, 20h 22. So, 20h 24. Di, 20h 25. Mi, 10h30 28. Sa, 20h

Juni 22

09. Do, 20h 10. Fr, 20h 11. Sa, 20h 12. So, 11h

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